Web 2.0 verändert Kampagnenverhalten - Alpengluehen am Freitag
Montag, November 3rd, 2008Nächste Woche findet die Wahl zum 56. Präsidenten der Vereinigten Staaten statt. Eines ist damit sicher: George W. Bush vertschüsst sich in den wohlverdienten Ruhestand. Ob es nun Barack Obama oder John McCain wird, erfahren wir spätestens in der Nacht vom 4ten auf den 5ten November 2008.
Hat man den Wahlkampf einigermaßen verfolgt, fällt vor allem eines auf: Die Politiker haben die Hoheit über ihre Kampagnen an die Blogger verloren. Früher (und teilweise in Österreich heute noch) hatte man erfahrungsgemäß zwei Nachrichtenzyklen pro Woche: Eine Nachricht wurde an einen Tag vermeldet, am nächsten dementiert, am dritten diskutiert und dann kam die nächste Nachricht raus. Der einstige Clinton-Chefberater George Stephanopoulos dazu: „Mit der Zeit komprimierte sich das auf zwei Nachrichtenzyklen pro Tag. Und jetzt sind es 12 Nachrichtenzyklen pro Stunde!“
Die amerikanischen Blogger sind schnell, sarkastisch und zynisch. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen On- und Off-the-record.
Die Politikstrategen haben längst erkannt, dass sie die neuen Medien nicht mehr kontrollieren können.
Aber sie können sie nützen. So menschelt sich John McCains Tochter durch ihren Blog mccainblogette.com und Barack Obama hat Leute von Facebook angeheuert, die seine Website www.barackobama.com up to date halten und mit den Fans in Kontakt stehen.
Die Blogmacht schlechthin ist die Blogger-Vereinigung von Arianna Huffington. Mit ihrer optisch im Stil einer Netzzeitung gestalteten Huffington Post (www.huffingtonpost.com) gibt sie im Online-Bereich den Takt an. Echtzeit ist die Stärke der „HuffPo“. Durch diesen Vorteil ist sie inzwischen fast schon so mächtig wie die Washington Post.
Wo Printmedien Nachrichten aufwerfen und dann nicht weiterverfolgen (können), gehen die Blogger mit Hartnäckigkeit voran, was auch Bill Clinton im September zu spüren bekam.
Auf einer Wahlveranstaltung in South Dakota fragte ihn Mayhill Fowler, eine Bloggerin der „HuffPo“, wie er das scharfe Portrait, das Vanity Fair über ihn geschrieben hatte, denn so fände. Bill Clinton wurde rot und rastete aus. Der Autor jenes Textes sei „widerlich“, sei „eine elende Kreatur“, sei „schleimig“. Fowler hielt ihr Diktiergerät in der Hand. Nach dem Interview fiel ihr ein, dass sie sich blöderweise nicht vorgestellt hatte. Aber was eine echte Bloggerin ist, lässt sich von solchen Kleinigkeiten nicht abhalten. Sie schrieb ihre Geschichte. Und es dauerte nur wenige Minuten, dann verschickte Bill Clinton seine Entschuldigung – ebenfalls über das Internet.



